Nachtrag zum homöopathischen Selbstmord
(via Crispian Jago)
Die schon zuvor angekündigte Aktion 10:23, ein landesweiter Versuch in England, vor den Toren der Apothekenkette BOOTS eine Überdosis homöopathischer Mittel einzunehmen um deren Wirkungslosigkeit zu demonstrieren, ist heute wie geplant um 10:23 GMT durchgeführt worden – ohne Verluste! Der eine oder andere wird kleine Probleme mit der hohen Zuckerdosis bekommen haben, aber das ist auch schon das einzige an Wirkung, das man von Homöopathika erwarten kann
Das große Problem mit Homöopathie ist ja nicht, dass es keine über einen Placeboeffekt hinausgehende Wirkung gibt. Placebo sind hilfreich in gewissen Situationen. Schlimm wird’s nur, wenn die Zuckerkugerln anstelle von wirksamen Medikamenten bzw. Therapien verwendet werden.
Diese großartige Aktion wurde übrigens von Skeptikergruppen weltweit mitgemacht und ist weiterhin nachahmenswert.
Hach, was wäre die Welt ohne Ben Goldacre - The Doctor? Sein rasiermesserscharfer Verstand verbunden mit bissigem Humor schneidet durch Bullshit wie ein … ach, ihr kennt das Sprichwort doch eh
Die im Video angesprochenen Punkte werden übrigens in Ben’s Buch Bad Science – demnächst auch auf Deutsch unter dem Titel Die Wissenschaftslüge erhältlich – genauer erläutert. Sehr zu empfehlen!
Homöopathie ist eine unwissenschaftliche und vor allem absurde Pseudowissenschaft. Dennoch besteht sie weiter als eine akzeptierte Komplementärmedizin, hauptsächlich weil die Leute gar nicht wissen was genau HomöopathieW eigentlich ist.
Die meisten Leute geben auf die Frage, was H. denn sei, oft Antworten wie: “es ist Kräutermedizin”, “es ist natürlich” oder “eine Alternative zu normaler Medizin”. Nur wenige haben erkannt, dass H. nachweislich unwirksam ist. Noch weniger wissen dass diese Mittel hergestellt werden indem diverse Substanzen so weit verdünnt werden bis nichts mehr übrig ist. Es ist diese weit verbreitete Unkenntnis die es der H. ermöglicht zu gedeihen, und dieser Umstand wird ausgenutzt um in Apothekenregalen neben echten, auf Wirksamkeit geprüften Medikamenten zu stehen und in den Köpfen der Patienten einen Platz neben gültigen und effektiven Behandlungsmethoden einzunehmen.
In Großbritannien wurde deshalb die 10:23 campaign ins Leben gerufen um den Menschen bewusst zu machen, was Homöopathie wirklich ist, wie man deren Unwirksamkeit nachweisen kann, wie man aufzeigt dass das Prinzip der H. schlicht und einfach unmöglich ist und warum es wichtig ist, Patienten die notwendigen Kenntnisse zu vermitteln, damit sie auf korrekten Informationen basierende Entscheidungen für ihre Gesundheitsfürsorge treffen können.
Soweit meine (ad-hoc)Übersetzung des Originaltextes, der selbstverständlich auf der Homepage der 10:23 campaign zu finden ist. Dort findet sich auch eine ausführlichere Beschreibung der Aktion und genaueres zu Homöopathie. Ich halte diese Aktion für eine sehr gute Idee und fordere alle auf, diese zu unterstützen. Man kann sich schon mal, auch als Nicht-Brite, in die Liste der Unterstützer eintragen, einen offenen Brief an die Apothekenkette Boots unterschreiben, und über Twitter @ten23 folgen.
Auch hierzulande kann man in den meisten Apotheken Globuli und Wasserfläschchen kaufen – ganz leicht sogar, da diese ja meist nahe der Verkaufsbuddel platziert sind. Und leider bekommt man von den Apothekern nur allzu oft “wertvolle Informationen” wie “Nehmen Sie das hier. Das ist ein homöopathisches Mittel …”. Aha! Homöopathisch. Das hab ich doch schon mal gehört. Meine Nachbarin hat mal was davon erzählt. Muss ja wirken, sonst könnte man es nicht in der Apotheke kaufen, die kennen sich ja schließlich aus und mein Arzt hat ja auch ein Akupunkturdiplom … oder ist das jetzt was anderes? Eine Aktion wie diese könnte Österreich wirklich nicht schaden. Ich werde mich mal diesbezüglich Schlau machen, vielleicht läuft sowas ja schon und ist nur nicht so bekannt.
Für ausführliche Informationen zu Homöopathie (und weiteren alternativen Heilpraktiken) wäre z.B. das Buch Trick or Treatment (dt. Fassung: Gesund ohne Pillen) von Simon Singh und Professor Edzard Ernst, dem allerersten Professor für Komplementärmedizin, eine gute Quelle. Dann gibt es noch Dr. Edmund Berndt, ein heimischer Apotheker und Stammkommentator auf Kritisch gedacht – dem Blog der GkD. Als Frontkämpfer kann er mehr als genug Schauergeschichten erzählen. Dr. Berndt hat übrigens auch ein Buch geschrieben: Der Pillendreh – Ein Apotheker packt aus. Das Buch habe ich selber leider noch nicht gelesen, ist aber auf meiner Wunschliste! Eine kleine Vorstellung mit Kommentaren gibt’s ebenfalls im GkD Blog. Selbstverständlich bieten auch die 10:23 Website und Wikipedia Infos zu diesem Thema an, und: Google is your friend
UPDATE: Crispian Jago hat mal eine schöne Vorführung des Wirkungsprinzipes gemacht. Von Jörg Wipplinger (Die Wahrheit Videoblog) gibt’s ebenfalls eine kompakte Erklärung.
Die Schweinegrippe ist ja momentan in aller Munde – nun, zum Glück meist nur sinngemäß
Wie mit allen Influenza (und sonstigen) Epidemien sollte man das Thema weder auf die leichte Schulter nehmen, noch sich durch panikmachende Schlagzeilen diverser journalistisch fragwürdiger Publikationen völlig in Angst und Schecken versetzen lassen. Es gibt eine Reihe von Vorkehrungen und Maßnahmen, die man hier treffen sollte, und die genau genommen nicht ausschließlich in Ausnahmefällen Anwendung finden sollten (wie zum Beispiel Hände waschen, nachdem man auf dem Klo war. BÄH).
Was mich ja aber nun überhaupt nicht erstaunt, ist die Anzahl der Anbieter von Homöopathika die praktischerweise schon Präparate zusammengeschüttelt haben, kaum dass sich die Nachricht der Schweinegrippe herumgesprochen hat. Manche versprechen sogar Heilung?
Aha? Wie? Was? Eine Google Suche bringt saumäßig (ha ha) viele Ergebnisse, die Maschinerie der Geschäftemacherei mit der Angst ist schon voll im Gange. Es ist eine Sache, den Placebo-Effekt (mehr hat Homöopathie hier nicht zu bieten) für z.B. psychologische Unterstützung oder bei leichtem Unwohlsein einzusetzen. Aber dieses Zeug als Heilmittel oder Präventivmedizin als Ersatz für geprüfte Medizin anzupreisen grenzt meiner Meinung nach schon eher an Fahrlässigkeit.
Ach ja, außerordentlich dämlich habe ich die Aussage von Israels Vizegesundheitsminister Yakov Litzman gefunden, der sich gleich stellvertretend für alle Juden und Muslime von der Bezeichnung Schweinegrippe beleidigt und angegriffen fühlt.
Ja, furchtbar, echt. Was für eine Sauerei!
Oder einfach nur saublöd? (Sorry, liebe Schweindln, nicht persönlich nehmen
)
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